Wolfsheim

Vom Szene-Tipp zum Chart-Act


Peter Heppner und Markus Reinhardt sind Wolfsheim. Als sich das Duo 1987 in Hamburg gründete, ahnte wohl niemand, dass aus dem einstigen Szene-Tipp ein erfolgreicher Pop-Act werden würde. Bereits das vergangene Album "Spectators" kletterte 1999 bis auf Platz zwei der Media-Control-Charts. Danach folgten Solo-Projekte. Heppner sang unter anderem mit Joachim Witt "Die Flut", erhielt mit Schiller für "Dream Of You" 2002 einen Echo. Reinhardt arbeitete an Care Company. 2003 scheint nun das Wolfsheim-Jahr schlechthin zu werden: Die Single "Kein Zurück" schnellte in die Charts, das Album "Casting Shadows" erscheint am 7. April. Zur Freude der Fans folgt zudem eine Tour. Genug Gründe für ein Gespräch, das hier in Auszügen vorliegt:

Euer Song "Kein Zurück" stieg auf Platz 5 in die Charts ein. Geplant?

Peter Heppner: Was diesen Erfolg betrifft, sind wir sehr überrascht und auch ein bisschen verunsichert. Uns ist nicht so ganz klar, wie das passiert ist. Damit kann man einfach nicht rechnen. Wir haben schon gedacht, dass wir ungefähr die Top 20 oder Top 30 erreichen. Aber so etwas?

Das Video dazu hat Detlev Buck gemacht. Wie kam das?

Peter: Wir haben schon mal mit ihm gearbeitet. Ein Stück von uns war Titelsong zu seinem Film "Liebe Deine Nächste". Das Video dazu entstand der Nähe von Wien. Dadurch sind wir erst auf ihn aufmerksam geworden. Das Ergebnis war so gut, dass wir meinten, diesmal fragen wir ihn doch gleich.

Warum hat es fast vier Jahre gedauert, bis ein neues Wolfsheim-Album erscheint?

Peter: Wir wussten zuerst nicht, was wir wollten. Nach "Spectators" sind wir gleich wieder ins Studio gegangen und haben dabei festgestellt, dass der Abstand noch nicht groß genug war. Hätten wir weiter gemacht, wäre es lediglich ein zweiter Teil von "Spectators" geworden. Vor etwa zwei Jahren entstand "Kein Zurück". Dann erst war uns klar, dass es etwas Neues ist.

Gibt es eine Art roten Faden durch das Album?

Peter: Das sind Markus und ich. Letztendlich ist Wolfsheim nicht mehr und nicht weniger als das, was passiert, wenn wir zusammen treffen. Sowohl für die Qualität als auch für den Inhalt ist nur unserer Geschmack entscheidend.

"Casting Shadows" - eine Anspielung auf die gecasteten, kurzlebigen Pop-Acts der Gegenwart?

Peter: Das ist eine Deutung, an die wir damals nicht gedacht haben. Der Albumtitel kommt durch das erste Stück "Everyone Who Casts A Shadow", das für uns die ganze LP verkörpert. Klar, sehr subjektiv, aber das war unser Gefühl, nachdem der Song im Studio fertig war.

Die Musikbranche hat im fünften Jahr in Folge Umsatzeinbußen zu verbuchen. Wie wirkt sich das illegale CD-Brennen auf Euch aus?

Peter: Schwer zusagen. Wir veröffentlichen ja relativ selten. Als "Spectators" vor vier Jahren erschien, war dieses Problem längst nicht so drastisch.

Diesmal wirkten gleich mehrere Produzenten mit. Warum?

Peter: Wir waren auf der Suche nach dem neuen Wolfsheim-Sound. Nach dem Abbruch der Studioarbeit war uns nicht klar, in welche Richtung es gehen würde. Wir haben mit mehreren Leuten gesprochen, um verschiedene Meinungen zu hören. Das Album in dieser Konstellation ist schließlich das Ergebnis.

Ihr habt sowohl deutsche als auch englische Texte. Wovon hängt die Sprache ab?

Peter: Ehrlich gesagt, habe ich nicht die geringste Ahnung. Dieses Mal war es so, dass mir bei "Kein Zurück" und "Wundervoll" spontan die Refrains eingefallen sind. Danach stellte sich diese Frage nicht mehr. Ich kann nur sagen, dass es drastische Unterschiede bei den Sprachen gibt, was ihre Benutzbarkeit für Popmusik betrifft. Englisch ist besser geeignet, weil die Worte meistens kürzer und dadurch besser auf Rhythmen anzuwenden sind. Die deutsche Sprache ist daher etwas schwieriger, aber doch viel präziser.

Welcher Song wird die zweite Single?

Peter: "Find You´re Gone", ein schnelleres Stück, das leider noch nicht mit auf der Promo-CD war.

Demnächst steht eine Tour an. Magst Du schon etwas darüber verraten?

Peter: Es wird spannend und aufregend, aber diesmal steht keine Wassershow im Vordergrund, wie bei der letzten Tour, sondern Wind. Wir haben eine Menge ausprobiert, Windräder und aufblasbare Luftfiguren zum Beispiel, aber vieles ist noch in Planung. Ungern möchte ich etwas ankündigen, was sich nachher gar nicht realisieren lässt. Auf jeden Fall geben wir uns Mühe.

Eure Konzerte finden fast nur im deutschsprachigen Raum statt. Wie kommen Wolfsheim im Ausland an?

Peter: Sehr gut, haben wir festgestellt. Letztes Jahr waren wir zum Beispiel in Spanien und waren wirklich überrascht, wie groß der Zuspruch ist. Das ist schon erstaunlich, wenn man auf der Bühne mitkriegt, wie etwa 1000 Leute jedes einzelne Wort von jedem einzelnen Song mitsingen. Die Sprache war wirklich egal. Die Leute haben mitgesungen, getanzt, gefeiert. Sehr beeindruckend.

Ist geplant, im Anschluss an die Tour wieder eine DVD zu veröffentlichen?

Peter: Die "Kompendium"-DVD haben wir gemacht, weil es vorher kein geeignetes Format gab. Das war ein großer Spaß und diesen werden wir uns sicher nicht nehmen lassen. Auf der nächsten Tour sind Videoleute mit dabei, die sowohl vor als auch hinter der Bühne filmen. Offenbar wird es diesmal eine relativ rege Fernsehbeteiligung geben, so dass daher schon eine Menge Filmmaterial anfallen wird.

Was gibt es über anstehende Solo-Aktivitäten zu sagen?

Peter: Momentan steht Wolfsheim im Mittelpunkt. Darüber hinaus ist weder der Kopf frei, noch hätten wir Zeit dafür. Aber wir haben immer Nebenprojekte gemacht und werden das sicher fortführen, auch wenn derzeit nichts fest steht. Ich kann Dir aber sagen, dass ich die neuen Demos von Schiller bereits zu Hause habe. Wenn uns etwas gefällt, dann machen wir es auch. Aber nicht, weil es eventuell erfolgreich sein könnte, sondern weil es interessant ist und wir die Musik geil finden.

Werden bis zum nächsten Wolfsheim-Album wieder vier Jahre vergehen?

Peter: Vielleicht vier, vielleicht nur zwei. Ich weiß es wirklich nicht. Das nächste Wolfsheim-Album wird es dann geben, wenn es fertig ist. Nicht einen Tag früher.

© Heiko Meyer

Band-Kontakt:

www.wolfsheim.de