Chandeen


Die Frankfurter Band Chandeen gibt es seit fast zehn Jahren. Einst waren sie das Aushängeschild der Heavenly Voices-Bewegung. Nach "Spacerider" präsentieren sie nun ihr fünftes Album "Bikes and Pyramids" und begeistern damit nicht nur die Kritiker. Harald Löwy, Musiker, sowie die Sängerinnen Antje Schulz und Stephanie Härich schaffen es wie nur wenige Bands, verträumte Balladen mit Popsongs zu verbinden und dabei ein anspruchsvolles Album voller subtiler Klangelemente zu produzieren. Chandeen sind zurück. Besser als je zuvor.

Euer vergangenes Album "Spacerider" ist schon einige Zeit her. Seid ihr rückblickend mit dem Erfolg des Albums zufrieden? Was hat sich seit dem bei Chandeen getan?

Harald: Ja, man kann sagen, dass "Spacerider" unser bisher kommerziell erfolgreichstes Album war, aber, wenn du über Zufriedenheit sprichst, kommt es darauf wirklich an? Ich glaube nicht...

Die "Spacerider"-Phase war eine äußerst merkwürdige Zeit, die ich im Nachhinein als zwiespältig bezeichnen würde. Ich befand mich in einem Zustand des Halbschlafes. Der musikalische Werdegang schien nahezu zeitlos an mir vorüberzugehen. Vieles was geschah habe ich damals einfach so hingenommen, sei es der Druck der damaligen Plattenfirma, die uns unbedingt als Nachfolger von Fury in the Slaughterhouse aufbauen wollten oder auch die bandinternen Überlegungen, Chandeen nun mehr in Richtung Pop zu produzieren.

Na ja, heute sage ich, okay, "Spacerider" war an sich ein gutes Chandeen-Album mit einigen echten Highlights, aber im Grunde gab es eine künstlerische Stagnation. Unsere Wurzeln und musikalischen Motivationspunkte lagen und liegen ganz woanders.

Ich sehe aber "Bikes and Pyramids" wieder in dieser Tradition. Der Grund dafür ist, dass wir in der entscheidenden Phase der Produktion wussten, was wir wollten und genau fühlten, wohin die Reise mit dem neuen Album ging. Es war wie eine Landschaft, die sich vor uns aufbaute, und der Weg schien in der Ferne regelrecht sichtbar zu werden. Ein faszinierender Impuls! Zuletzt hatte ich ähnliches bei der Produktion unseres zweiten Albums "Jutland" empfunden, als wir in Dänemark, abgeschottet von der Außenwelt, ein ganz eigenes Album machten und Chandeen damit stilistisch prägten.

Im übrigen fanden die Studio-Sessions zu "Bikes and Pyramids" fast nur nachts statt. Es war ruhig, fast unheimlich, wenn die Musik aus war. Ich entwickelte ein melancholisches Grundgefühl, das diese Platte nachhaltig geprägt hat.

Antje: Ich für meinen Teil habe keine "Erfolgserwartungshaltung" zu unseren Alben, freue mich aber natürlich sehr, wenn die Reaktionen auf unsere Musik positiv ausfallen.

Nach der letzten Tour 1999 brauchte die Band erst mal eine längere Aus-Zeit und es musste überdacht werden, wie es mit Chandeen weitergeht. Harald und ich haben auch viel Zeit in unsere Seitenprojekte investiert. Aber es ging selbstverständlich doch früher oder später wieder ans Songwriting für Chandeen, Demos wurden aufgenommen. Auf der Suche nach Identität für die Band und die Musik fanden wir den eigentlichen Weg zurück zu uns, was sich auch darin widerspiegelt, dass wir unser neues Album auf eigenem Label präsentieren und es stilistisch gesehen nicht an "Spacerider", sondern eher an ältere Alben anknüpft.

Die Maxi-CD "My World depends on you" ist mittlerweile veröffentlicht. Wie sind die ersten Reaktionen?

Harald: Wir sind mit der Maxi relativ neue Wege gegangen und freuen uns natürlich besonders, dass gerade diesmal alles so gut anfängt.

"Bikes and Pyramids" ist euer fünftes Album. Wie lang habt ihr insgesamt daran gearbeitet?

Harald: Lange, sehr lange. Allein der Produktionsprozess nahm drei Monate in Anspruch. Vorher haben wir auch mehrere Monate an Gesang und Gitarre gearbeitet.

Gibt es eine inhaltliche Prämisse, unter der das Album entstand? Ein Konzept?

Harald: Ein lyrisches Konzept gab es nicht. Musikalisch ist es natürlich immer unser Ziel, Einklang in die Ideen zu bringen und die Einflüsse zu verarbeiten, die sich die Jahre davor angesammelt haben. Das Album ist daher eine Ansammlung kreativ magischer Momente. Inhaltlich habe ich mich zum Beispiel viel mehr mit amerikanischer Musik beschäftigt als früher. Ich glaube, dass dies auch auf "Bikes and Pyramids" zu hören ist.

Wie kann man den Albumtitel interpretieren? "Bikes and Pyramids" als Beispiele menschlicher Errungenschaften?

Harald: Ja, als Metapher liegst du da gar nicht so falsch. Wir haben kurz vor Fertigstellung der Produktion nach einem Albumtitel gesucht und ich schlug "Bikes and Pyramids" vor. "Funny", sagten alle und damit stand es fest. Auf den ersten Blick passen die zwei Worte gar nicht zusammen, so wie Dinge in einem Traum. Doch beide menschlichen Errungenschaften prägen ganz unterschiedliche Bilder oder Empfindungen... das ist im gewissen Sinne auch in unserer Musik zu finden.

Wie kann man sich die Arbeitsweise von Chandeen vorstellen?

Harald: Obwohl ich die Musik schreibe und auch größtenteils produziere ist unsere Arbeitsweise sehr an Improvisation orientiert. Es sammeln sich viele, auch teils konfuse Ideen an und wir produzieren immer erst mal Demos, um einen Überblick zu bekommen. Meistens klingen sie dann überhaupt nicht wie die letztlich veröffentlichten Aufnahmen, aber der Kern hat sich doch heraus kristallisiert.

Wie wird festgelegt, wer welche Songs singt?

Antje: Meistens weiß Harald schon während des Komponierens, wer zu welchem Song singen kann. Manchmal probieren wir es einfach aus. Bei "You love him", einem Stück des neuen Albums, haben Stephanie und ich zum ersten Mal auch zusammen gesungen.

Harald: Früher, vor Catrin Mallon´s Ausstieg, gab es schon mehrere Songs, auf denen beide Sängerinnen zusammen gesungen haben, zum Beispiel "Drift" von "Jutland" oder "Journey to the Land of Wisdom" von "Shaded by the leaves". In dieser Besetzung war es aber das erste Mal. Eigentlich merkwürdig, dass wir dies nicht schon vorher gemacht haben.

Klar, alle Musiker singen von Liebe. Wovon singt Ihr noch?

Antje: In meine Texten versuche ich meine Beobachtungen des Lebens widerzuspiegeln. Oft geht es um zwischenmenschliche Beziehungen, aber auch um Selbstzweifel oder meine Behauptung dem Leben gegenüber. Glückliche, lebensbejahende sowie traurige, schmerzliche Zeilen finden einen Platz in der Musik von Chandeen. Ich versuche hier ein Gleichgewicht zu finden.

Harald: Ja, Liebe ist ein derart oft benutztes Thema, dass ich Chandeen manchmal am liebsten mit Kunstwörtern besingen lassen würde. So wie damals die Cocteau Twins. Der Schwerpunkt läge dann 100%ig bei Stimme und Musik, ein reizvoller Gedanke.

"Lucky Life" handelt vom Befreiungsschlag der Seele, wenn alle Fesseln auf einmal gesprengt werden. Lange Jahre befindet sich das Leben im düsteren Nirvana, bis zu jenem Zeitpunkt. Dies ist sicher auch autobiografisch.

Wovon hängt es ab, ob ein Text in deutsch oder englisch ist?

Antje: Wir singen auf diesem Album zum ersten Mal deutsch. Wir haben diese weitere Facette für Chandeen neu entdeckt und wenn ein Titel in sich stimmig und überzeugend ist, ist es unwichtig in welcher Sprache er vorgetragen wird.

Harald: Grundsätzlich sind alle Texte von Chandeen englisch. Einzig bei "Bikes and Pyramids" haben wir mit deutschen Texten gearbeitet. Vielleicht machen wir das auch weiter, zwingend ist dies jedoch nicht.

Heavenly Voices, Spacepop oder Electro Wave: Welche Bezeichnung trifft am besten zu? Warum?

Harald: Ach weißt Du, manche sagen noch immer Heavenly Voices oder auch Electro Wave. Wir hören das alles gern, weil es zeigt, dass sich Leute mit uns und unserer Musik beschäftigen. Die meisten Menschen nehmen Musik doch gar nicht mehr richtig wahr und resignieren, weil vieles einfach zu seelenlos geworden ist.

Früher haben wir immer grundsätzlich alle Namen und Schubladen ausgeschlossen, aber das hat sich verändert, weil Musik Kategorien, Benennungen oder auch Bandnamen braucht. Wenn man natürlich dann anfängt, diese Schubladen stilistisch zu bedienen, ist dies ein anderes Wort für Stagnation.

Antje: Ich finde, dass dieses "Labeling" für Chandeen nicht einfach anzuwenden ist, da wir zu viele verschiedene Elemente in unseren Gesamtstil einfließen lassen. Insofern reicht eine dieser drei "Schubladen" niemals eindeutig für Chandeen aus.

Stichwort: Heavenly Voices. Kennt ihr eigentlich das neue Stoa-Album "Zal"? Eure Meinung? Also ich finde es gelungen. Jedoch könnte man meinen, die Zeit wäre stehen geblieben...

Harald: Interessant das du fragst. Ich persönlich finde "Zal" natürlich klasse. Zu Anfang habe ich einen Teil der Songs zusammen mit Olaf Parusel produziert, doch wir merkten irgendwann, dass die Zusammenarbeit nicht recht passte.

Ja, stehen geblieben, im Sinne von positiver Nostalgie ist sicher ein nachzuvollziehender Gedanke. Stoa-Sängerin Antje ist übrigens meine Lebensgefährtin :-)

Auf eurem Album befindet sich auch eine Coverversion von Pink Floyds "Apples and Oranges". Warum ausgerechnet dieser Song von Pink Floyd und kein anderer?

Harald: Ich interessiere mich seit Jahren für den musikalischen Werdegang von Pink Floyd. Alben wie "Dark Side of the Moon" oder "Animals" (könnte auch zehn weitere Floyd-Alben aufzählen) sind Meilensteine der Musikgeschichte und haben mich sehr beeinflusst.

Auch Syd Barrett, der Gründer von Pink Floyd, war eine faszinierende Persönlichkeit und ein sehr talentierter Songwriter. Zu Londoner Undergroundzeiten, als die psychedelischen 60er noch die Popkultur bildeten, haben er und Pink Floyd oftmals lediglich einen Titel pro Abend spielen können, da Syd zu Gigs fast nur auf LSD erschien und den Opener, meist "Interstellar Overdrive", zwei Stunden in die Länge zog. Er war es, der zehn Jahre nach seinem Ausstieg während der Aufnahme zu "Shine on you crazy Diamond" das Tonstudio betrat (die Mitglieder hatten ihn seitdem nicht mehr gesehen), einige Anweisungen zum Titel gab und ohne Worte wieder verschwand... erst dachten alle, er wäre ein Penner, der sich verlaufen hatte, sie erkannten ihn aber nach einiger Zeit. Er muss furchtbar ausgesehen haben. Im Grunde eine traurige Geschichte. Heute lebt Syd Barrett irgendwo in England und ist seit vielen Jahren nicht mehr in der Öffentlichkeit gewesen. Ich habe also einen großen Bezug zu dieser Zeit und zu Syd Barrett.

Später las ich einmal ein Statement des Pink Floyd-Lyrikers Roger Waters. Er sagte, dass "Apples and Oranges" der wohl größte Hit von Pink Floyd geworden wäre, wenn Syd Barrett ihn in seinem LSD-Rausch während der Studiosession nicht vergeigt hätte. Man muss wissen, dass "Apples and Oranges" ausgerechnet der Titel von Pink Floyd war, der gern als "erster und größter Flop" in der Band-Historie bezeichnet wird. Nun ja, Roger schwärmte immer vom Potenzial des Titels. Ja, und das hat mich dann gereizt, ihn mal zu "entstauben", denn schon immer fand ich den Song irgendwie auffällig, die Lyrics faszinierend, die Gitarren einzigartig schräg... und siehe da, es ist eine zeitlos schöne Komposition. Syd Barrett hat sie 1967 geschrieben. Das sagt alles.

Ihr habt für dieses Album bzw. die Maxi-CD unter anderem mit den Brüdern Humberstone (In The Nursery), Axel Henninger (Camouflage), Steffen Keth (De/Vision) und Mike Brown (Electronium) gearbeitet. Wie kamen diese Kontakte damals zustande?

Harald: Steffen von De/Vision kenne ich schon sehr lange, bevor wir richtig Musik gemacht haben. Wir lernten uns in einem Altenheim beim Zivildienst kennen und es war damals faszinierend zu sehen, welch ähnliche musikalische Visionen wir hatten. Du musst wissen, dass wir noch keine professionellen Musiker waren und dennoch über Dinge sprachen, die dann tatsächlich auch so gekommen sind. Jahrelang haben wir uns dann musikalisch ausgetauscht, entstehende Songs und Ideen vorgespielt, und unzählige Stunden über alle Facetten von Musik gesprochen, aber irgendwie nie ernsthaft eine Zusammenarbeit erwogen. Ganz spontan änderte sich das jetzt und bestimmt werden wir in Zukunft mehr zusammen machen.

Bei In the Nursery war es natürlich ganz anders: Für Nigel Humberstone kam ich als Remixer für das CD-Projekt Cause + Effect in Frage und er schlug einen so genannten "Remix Exchange" vor. Ich war natürlich einverstanden und fühlte mich geehrt. Lange Jahre beobachte ich die Band und habe auch zwei Livekonzerte besucht. In the Nursery sind große Künstler und ich hoffe, sie bleiben sich und ihrem Stil treu.

Mike Brown lernte ich durch dieses ITN-Projekt kennen, na ja und Axel Henninger ist ja nun schon seit 1994 als Mixer und Produzent dabei. Er ist im Laufe der Jahre ein Freund geworden.

Wie schon angedeutet, scheint ihr sehr kollaborationsfreudig zu sein. Gibt es noch spezielle Kandidaten, mit denen Ihr gern mal arbeiten würdet?

Harald: Brendan Perry von Dead can Dance. Ich mag seine Arbeit, auch die Soloprojekte. Es wäre ein großes Ereignis, mit ihm mal zu arbeiten.

Harald, kann es sein, dass dir die Alben "Liquid" und "Unsound Methods" von Recoil sehr gut gefallen?

Harald: Ja. Insbesondere "Unsound Methods" ist ziemlich gut. Ich finde sowieso, dass Alan Wilder ein nicht zu ersetzender Bestandteil von Depeche Mode war. "Songs of Faith and Devotion" war ohne Frage der musikalische Höhepunkt der Band.

Gehe ich dann richtig in der Annahme, dass das Anfangssample bei "Heute Nacht" aus "Drifting" von Recoil stammt? Ab 1:17 bei "One Way Love" dürfte auch Alan Wilder sein. Sogar das gleiche Album, oder?

Harald: Wusstest du, dass der Anfang von "Heute Nacht" unter Umständen einen Anfangssample integriert, den man auf einem Album von Peter Gabriel aus den 80ern hört? Ob das auch Alan Wilder gewusst hat?

Welche Quellen zapfst du zwecks Sampling an? Früher oder später kommt es ja doch heraus ;-)

Harald: Ja, ich sample natürlich gern, eigentlich sehr gerne. Das Zusammenspiel Sampling/akustische Instrumente finde ich immer wieder sehr reizvoll. Wo ich aber nun genau was abgesampelt habe, kann ich gar nicht mehr so recht sagen...

Eine ungewöhnliche und gute Idee ist es, im Booklet einen Internet-Link zu "versteckten", um an die kompletten Texte zu "Bikes and Pyramids" und das exklusive Bonusmaterial zum Downloaden zu gelangen. Warum sind diese Stücke nur im Internet erhältlich?

Harald: Wir wollten einen Bonus-Part auf unserer neuen Veröffentlichung. Viele machen Videos oder sonstiges auf ihre CD. Wir dachten, es ist womöglich reizvoller, Downloads auf einer versteckten Seite der Bandhomepage anzubieten. Und man findet ja nicht nur Bonus Material zum neuen Album, sondern auch alte Demoaufnahmen und nicht zuletzt die Lyrics von "Bikes and Pyramids". Aber so ganz stammt die Idee nicht von uns. George Lucas hat dies schon auf der DVD zu "Star Wars - Episode 1" gemacht... :-)

Wenn man eure Diskografie betrachtet, stellt man fest, dass ihr lange Zeit bei Hyperium und dann bei Synthetic Symphony bzw. SPV gewesen seid und nun über dem eigenen Label Kalinkaland im EFA-Vertrieb veröffentlicht. Warum habt ihr Kalinkaland ins Leben gerufen und nicht (mehr) bei einem etablierten Label gesignt?

Harald: Der Schritt zum eigenen Label kam eine CD zu spät. Schon nach dem 96er-Album "The Waking Dream" gab es hierfür Überlegungen, doch mit dem Angebot von SPV war die Sache erst mal ad acta gelegt.

Uns war nun aus besagten Gründen die völlige Unabhängigkeit wichtig. Labels wollen dies, Labels wollen das und die Band will etwas ganz anderes, kann sich aber nicht durchsetzen, weil sie am Tropf des A&R-Managers hängt. Diese Zeit haben wir abgeschlossen und es ist befreiend. Björk hat über dieses Thema schon viel gesagt und ich kann ihr nur zustimmen.

Was denkt ihr im Nachhinein vom Videoclip und dem Dreh zu "Skywalking"? Hat sich die Produktion damals (im Hinblick auf die entstandenen Kosten) überhaupt gelohnt?

Antje: Das Video wurde von der Plattenfirma und nicht aus unserem Privatvermögen bezahlt. Es war eine durchaus wichtige und aufregende Erfahrung für mich als Sängerin und wohl auch für uns als Band, sowohl die Produktion als auch die Ausstrahlung im Fernsehen. Außerdem ist letztendlich ein äußerst ästhetisches, repräsentatives Musikvideo entstanden, das sich für Chandeen in jedem Fall "gelohnt" hat.

Harald: Finanziell für SPV sicher. "Skywalking" lief in Rotation auf MTV und Viva 2. Eine Plattenfirma verdient damit im Minutentakt. Ich habe ja schon oben mehr über diese Zeit gesagt. Ich sehe das heute sehr zwiespältig.

Ist in absehbarer Zeit ein Videoclip oder ein Livevideo von Chandeen geplant?

Harald: Erstmal nicht.

Folgt zum Album eine Tour? Falls ja, wann startet sie? Falls nein, warum nicht? Wie kann man sich ein Konzert zu "Bikes and Pyramids" vorstellen? Immerhin ist das Album sehr üppig instrumeniert...

Harald: Nein, wir werden diesmal keine Deutschland-Tour machen. Die letzten Konzerte haben uns Monate an Vorbereitung gekostet und ich glaube, dass die Band dafür im Augenblick nicht bereit ist. Dennoch waren die letzten Konzert phantastisch. Wir haben es genossen mit kompletter Band, also zusätzlich Gitarre und Drums, zu spielen. Musikalisch hat uns das weitergebracht und es war auch der Wendepunkt in unserer damaligen Entwicklung.

Wahrscheinlich wurde euch die folgende Frage schon tausend Mal gestellt, aber trotzdem: Was bedeutet der Bandname Chandeen?

Harald: Ja, schon oft... Chandeen ist ein indianisches Wort und bedeutet soviel wie Quelle des Lebens. Gefiel uns damals, klang inspirierend.

Harald, verrate bitte mehr über dein Nebenprojekt Broken Surface. Wer ist Ion Javelin? Welche Art von Musik macht ihr? Was für Veröffentlichungen sind geplant?

Harald: Broken Surface ist das wohl wichtigste Seitenprojekt, das ich je gemacht habe. Ion Javelin ist Ex-Sänger der 80er-Band Moskwa TV. Wir arbeiteten schon auf dem Chandeen-Album "The Waking Dream" zusammen. Irgendwann kam uns dann mal die Idee, mehr zusammen zu experimentieren. Broken Surface begann als Vertonung einer von Ion Javelin geschriebenen Kurzgeschichte. Sie beschreibt die Eindrücke des ersten Tages in der bizarren, verwegenen Stadt New York. Die Erlebniswelten und die damit verbundenen Empfindungen sind ungeheuer emotional und vielschichtig. Ion besingt dieses Projekt in einer Art, die ich als Neuland bezeichnen würde.

Musikalisch ist Broken Surface eine Mixtour aus Trip Hop, Electro Wave und Experimental. Veröffentlicht wird die CD Anfang kommenden Jahres. Es ist für mich jedenfalls ein sehr ambitioniertes Projekt.

Für nächstes Jahr ist eine Doppel-CD-Compilation, eine Art Best-of-Chandeen vorgesehen. Gibt es schon einige Details zu berichten?

Harald: Auf der einen CD wird die melancholische, ruhige Seite von Chandeen zu hören sein, auf der anderen die offeneren Titel. Es wird auch zwei neue Songs geben. Aber mehr können wir noch nicht sagen.

Antje: Auf unserer Homepage kann abgestimmt werden, welche Titel das Album auf jeden Fall enthalten soll.

Ihr feiert zehnjähriges Bandjubiläum. Was ist euch während dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben, sowohl positiv als auch negativ?

Antje: Die schönen Dinge sind ohne Zweifel die ganzen aufregenden Erfahrungen gewesen: vor Publikum auftreten, sich in seiner kreativen Arbeit ausleben können und bestätigt fühlen, professionell in einem Studio aufnehmen, der erste Plattenvertrag, die diversen Veröffentlichungen, das Video, Interviews und Tourneen... Negativ war dabei der immer wieder zwangsläufig entstandene Stress, sei er zwischenmenschlicher, finanzieller oder organisatorischer Art.

Harald: Ich glaube, dass jeder Abschnitt, jede Episode eine besondere Erinnerung hinterlassen hat. Aufregend war bestimmt der Anfang 1993 mit unserem ersten Label Hyperium Records. Musikalisch am meisten geprägt hat uns sicherlich die Produktionsphase in Dänemark für die zweite LP "Jutland". Zu der Zeit gab es aber auch große Probleme innerhalb der Band, die ja dann zum Ausstieg von Catrin und Oliver führten. Später haben wir mit Stephanie als neue zweite Sängerin erstmals Tourneen gemacht, auch hier gibt es besondere Erinnerungen. Nicht zuletzt waren die Veröffentlichungen bei SPV eine wichtige Erfahrung... man kehre zum Anfang des Interviews zurück...

Das war´s. Danke und alles Gute!

Chandeen im Internet: www.chandeen.com

Interview: © 2002 Heiko Meyer